30.07.2020
Portrait Dr. Alexander Ruhland

Häufen sich die trockenen Sommer, besteht laut Umweltbundesamt die Gefahr, dass Wasser zu einer umkämpften Ressource wird. Der SWM kurier traf Dr. Alexander Ruhland, Geschäftsführer der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH (TWM), und wollte wissen: Wird in Magdeburg das Trinkwasser knapp?

Herr Dr. Alexander Ruhland, gibt es bald einen Kampf um die Ressource Wasser?

Dr. Alexander Ruhland: Die Wasserversorgung der Bevölkerung hat gegenüber anderen Nutzungsarten grundsätzlich Vorrang, das ist in Deutschland auch gesetzlich so verankert. Auch in Magdeburg ist die Trinkwasserversorgung also gesichert. Zukünftig erwarten wir aber häufigere Trockenperioden – Stichwort Klimawandel. Die Ressource Wasser wird dann knapper werden. Schon heute gibt es unterschiedliche
Interessen hinsichtlich der landwirtschaftlichen Bewässerung, der industriellen Nutzung, des Naturschutzes und der öffentlichen Wasserversorgung. Hier ist es Aufgabe der Behörden, einen Ausgleich der Interessen zu gestalten und gleichzeitig den gesetzlichen Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung sicherzustellen.

Langanhaltende Trockenheit führt zu niedrigen Grundwasserständen. Wie ist die Situation im Raum Magdeburg?

Seit Mitte der 1980er-Jahre gibt es einen klaren Trend zu immer wärmeren Jahren. Parallel dazu beobachten wir seit 1990, dass sich im Einzugsgebiet des Wasserwerks Colbitz weniger Grundwasser natürlich neu bildet. Wir sind jedoch glücklicherweise in der Lage, Defizite bis zu einem gewissen Grad auszugleichen und so die Auswirkungen des Klimawandels zu kompensieren: Wir reichern das natürliche Grundwasser
mit Oberflächenwasser aus dem Fluss Ohre an. Ein System, das auf Vorschlägen der Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene von 1930 basiert und seit den 1960er Jahren besteht.

Wird der Grundwasserpegel auch mal wieder steigen?

Die Entwicklung des Grundwasserkörpers sollte immer über mehrere Jahre hinweg interpretiert werden und da bin ich mir sicher, dass die Pegel auch wieder steigen werden. Dennoch: Sachsen-Anhalt ist ein sehr trockenes Bundesland, geprägt vom mitteldeutschen Trockengebiet östlich und südlich des Harzes. Während die durchschnittliche Grundwasserneubildung in Deutschland gemäß Hydrologischem Atlas circa 135 mm pro Jahr beträgt, liegt sie in Sachsen-Anhalt durchschnittlich bei etwa 64 mm pro Jahr. Wir müssen davon ausgehen, dass die natürliche Grundwasserneubildung im Zuge des Klimawandels langfristig wahrscheinlich weiter abnehmen wird.

Im April 2020 gab es schon so hohe Wasserverbräuche wie im Sommer. Woran lag das? Gab es einen Corona-Effekt?

Der April war über mehrere Wochen sehr trocken. Das dürfte zu einem hohen Wasserverbrauch geführt haben. Generell ist der Einfluss der Witterung bei TWM relativ hoch und liegt erfahrungsgemäß zwischen plus und minus 5 Prozent der durchschnittlichen Abnahmemenge. Bis einschließlich April 2020 liegt der Absatz leicht über dem des Vorjahres. Einen eindeutigen Corona-Effekt können wir aber nicht feststellen. Fehlende Wasserverbräuche im Gewerbe dürften – jedenfalls bislang – durch einen zunehmenden häuslichen Verbrauch ausgeglichen werden.

Kind spielt mit Rasensprenger
Trinkglas wird an Wasserhahn befüllt

Fotos: IStock


Rasen im Morgenlicht

Wie sichert TWM die Trinkwasserqualität?

Die Trinkwasserressourcen der TWM sind grundsätzlich von sehr guter Qualität und lassen sich mit einem relativ geringen Aufwand zu Trinkwasser aufbereiten. Die Qualitätskontrolle
erfolgt durch das TWM-eigene Trinkwasserlabor. Ein umfangreiches Monitoringprogramm sorgt dafür, dass wir die Qualität immer im Blick haben und rechtzeitig reagieren könnten, falls sich die Konzentration unerwünschter Stoffe im System negativ entwickeln sollte. Wie bei vielen Wasserversorgern ist das Thema Spurenstoffe zurzeit hoch aktuell, also Stoffe menschlichen Ursprungs, die nicht oder nur schwer abbaubar sind und in sehr geringen Konzentrationen in der Umwelt vorkommen. Dazu gehören zum Beispiel einige Süßstoffe oder Arzneimittel. Normalerweise sind Spurenstoffe angesichts ihrer geringen Konzentration für den
Menschen unbedenklich. Aber es gibt auch viele Stoffe, bei denen wir nur wenig über Verbleib, Umwandlung und Wirkung wissen. Hier benötigen wir von Herstellern und Verbrauchern gemeinsam getragene Anstrengungen zur Minimierung solcher Stoffe.

Sollte jeder Einzelne Trinkwasser sparen? Im Haus, im Garten?

Derzeit und zukünftig ist genügend Trinkwasser für die Bevölkerung vorhanden. Grundsätzlich sollte jedoch jeder bewusst mit der Ressource Trinkwasser umgehen, sie nicht verschwenden und auch keine schädlichen Stoffe in das Abwasser kippen. Denn diese könnten über den Wasserkreislauf irgendwann wieder in Wasserressourcen gelangen, die für die Trinkwassergewinnung vorgesehen sind.