08.12.2021

Begehrt wie nie

Die Preise für Gas, Sprit, Erdöl und Strom am Energiemarkt steigen massiv. Was sind die Gründe dafür? Und was bedeuten die Entwicklungen für die Kund:innen der SWM? Wir fragen Peter Busch, SWM Vertriebsleiter.

Peter Busch - SWM Vertriebsleiter

Herr Busch, die Gaspreise sind 2021 explodiert. Was sind die Gründe dafür?

Während der Corona-Krise stürzte die Weltwirtschaft ab. Nun führt die Konjunkturerholung weltweit zu mehr Nachfrage nach Rohstoffen und Energie. Hinzu kamen besonders kalte Winter in vielen Weltregionen im vergangenen Jahr. Das sind zwei wesentliche Faktoren, die die Weltmarktpreise für Gas sprunghaft steigen ließen. Für eine Megawattstunde Erdgas mussten die Unternehmen an den europäischen Spotmärkten, an denen kurzfristig Gas eingekauft wird,  Anfang Oktober einen Spitzenpreis von 115 Euro zahlen. Fünf- bis sechsmal so viel wie noch am Jahresanfang. Die Kosten am Terminmarkt - wo sich die Versorger langfristig mit Gas eindecken - verdreifachten sich, wie wir unten im Diagramm sehen. Hinzu kam die 2. Stufe der CO2-Bepreisung aus dem BEHG (Brennstoffemissionshandelsgesetz).

Grafik zur Preisentwicklung des Terminmarktes Erdgas 2021
Grafik zur Gaspreiszusammensetzung

Auslöser für den Preisschub ist der weltweite Konjunkturaufschwung

Was bedeutet der Preisanstieg für Erdgaskund:innen der SWM?

Ich will ehrlich sein. Haushaltskunden der SWM müssen mit Preiserhöhungen für Erdgas rechnen. Wie schon gesagt, die aktuelle Lage am Gasmarkt ist turbulent und die Beschaffungskosten sind in kürzester Zeit stark gestiegen. Trotz langfristigem und vorausschauendem Einkauf müssen wir auf diese Entwicklungen reagieren und den Gaspreis in der Grundversorgung ein weiteres Mal zum 01. Januar 2022 erhöhen. Für unsere Stammkunden haben wir langfristig eingekauft, sodass die Preiserhöhungen entgegen der extremen Börsenpreise moderat ausfallen.

Ist die Versorgung gesichert oder müssen Kund:innen in diesem Winter frieren?

Keine Sorge. Die Versorgung durch SWM ist sicher. Wir haben sowohl langfristige Verträge als auch Zugang zum Kurzfristmarkt. Gas ist verfügbar, wenn auch zu ungewohnten Preisen. Deutschlandweit sorgt die Preiskrise aber für Unruhe am Erdgas-Markt. Der Energiekonzern E.on hatte im Oktober die Angebote für neue Erdgas-Kunden ausgesetzt. Mittlerweile sind wieder Angebote zu neuen Konditionen verfügbar. Die Kunden von zwei privaten Energieanbietern traf es härter: Die Deutsche Energiepool GmbH und die Otima Energie AG gingen in die Insolvenz. Betroffene Kunden können sich einen neuen Lieferanten suchen. Kommt kein neuer Vertrag zustande, erhalten sie automatisch Erdgas vom örtlichen Grundversorger – in Magdeburg sind das die SWM. Betroffene Verbraucher können uns gern kontaktieren, damit wir sie individuell zu den SWM Tarifen beraten können.

Auch die Strompreise steigen an den Energiemärkten. Was sind hier die Gründe dafür?

Auch beim Strompreis ist der hauptsächliche Auslöser für den Preisschub der weltweite Konjunkturaufschwung. Nach starken wirtschaftlichen Einbrüchen während der Corona-Krise zieht die Produktion rund um den Globus wieder an – besonders stark in Asien. Zudem haben extreme Wetterbedingungen die globale Energienachfrage befeuert: etwa ein extrem heißer Sommer in China und eine Dürre in großen Teilen Südamerikas. Viele Wasserkraftwerke blieben beispielsweise in Brasilien außer Betrieb.

Welche Faktoren treiben den Strompreis in Deutschland nach oben?

Normalerweise bremsen die erneuerbaren Energien die Strompreise. Dieser Effekt blieb zuletzt aus. Da in diesem Jahr der Wind weniger stark wehte als in den Vorjahren, ist der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung deutlich gesunken. Um diese Lücke zu schließen, stieg die Menge fossiler Energie, vor allem von Kohle und Erdgas, für die Stromherstellung von 33,6 Prozent 2020 auf rund 41,5 Prozent in 2021.

Kann der Staat etwas gegen den Strompreisanstieg tun?

Aufgrund des gestiegenen Marktpreises ist die EEG-Umlage automatisch gesunken. Der Bund dämpfte die EEG-Umlage mit den Einnahmen aus der C02-Bepreisung nach dem BEHG zusätzlich. Die EEG-Umlage sinkt 2022 von 6,5 Cent auf 3,723 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Zur Erklärung: Mit der EEG-Umlage finanziert der Bund den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen, die Strom in das Stromnetz einspeisen, erhalten dafür eine festgelegte Vergütung.