SWM im Interview mit der Maschinistin Dagmar Ehses

Frau Ehses, Sie färben Ihre Wolle selbst. Warum machen Sie das?
Meine Wolle ist besonders. Sie stammt von tasmanischen Merinoschafen, die das ganze Jahr über frei herumlaufen und nur zum Scheren eingefangen werden. Und ich färbe ihre Wolle mit Pflanzen. Ein uraltes Handwerk, das leider nicht mehr verbreitet ist.

Aber wie wird denn Wolle sonst gefärbt?
Gewerbliche Färbereien nutzen synthetische Säurefarbstoffe. Diese Wolle ist dann kein reines Naturprodukt mehr.

Sie erschaffen also ein Naturprodukt?
Ja, so natürlich wie die Pflanzen. Teilweise sammele und trockene ich diese selbst. Zum Beispiel Färberkamille, Ringelblumen, Schwarze Stockrosen, Liguster, Schilfblüten und Birkenblätter.

Und wie färben Sie?
Ich benutze vorbehandelte Wollstränge, die im Kessel nicht verheddern und die Farbe gut aufnehmen. Deshalb die Ähnlichkeit zur Nudelsuppe. Die Pflanzen koche ich aus, filtere den Sud und fülle ihn mit Wasser auf. Dann kommt die Wolle ins Färbebad, das ich eine Stunde lang auf 60 bis 90 Grad erhitze. Nun muss alles ebenso langsam abkühlen – und fertig!

Und was machen Sie aus der Wolle?
Ich habe mehrere Tücher entworfen entwerfe die ich als Strick-Set in meinem Laden verkaufe: „Die Maschinistin” in der Maxim-Gorki-Straße 24a. Hier gibt es meine selbst gefärbte Merino- und Mohairwolle und viele weitere Naturgarne aus verschiedenen Materialien.

Wie lange stricken Sie denn schon?
Seit ich sechs Jahre alt bin. Ich stricke jeden Abend drei bis vier Stunden. Das brauche ich als Ausgleich. Ich muss allerdings nicht mehr auf meine Hände gucken und kann deshalb nebenbei auch noch Fernsehen oder mich unterhalten.

Was erwartet die Besucher:innen auf der Grünen Messe?
Auf der Grünen Messe zeige ich nicht nur meine bunten Garne. Ich bringe auch schicke Baumwoll-Einkaufsbeutel, gefärbt zum Beispiel mit Indigo und Avocadokernen, mit. Und zeige interessierten Besuchern, wie man mit getrockneten Färbepflanzen bunte Effekte auf Textilien zaubern kann.

Maschinistin beim Wolle färben
Portrait der Maschinistin
Einblick in den Laden der Maschinistin